15.10. Wir haben uns wohl das lauteste Hotel Athens ausgesucht? Aber dafür ist es immerhin schick. Nur sitze ich jetzt unausgeschlafen 8:00 früh im obersten Stockwerk am Internet während Julia noch schläft. Dafür bekommt von hier einen ersten Eindruck der Steinwüste des Athener Metropolengürtels.
Viel gesehen haben wir gestern abend noch nicht. War ja auch schon eine Stunde später als gedacht, da Athen uns tatsächlich eine Stunde voraus ist. Dieselbe Zeitzone wie Kiev also? Meine zweite Erkenntnis dann: Man kann die griechischen Buchstaben mit Russisch-Kenntnissen im Kopf einigermaßen gut lesen. Mein erstes Erlebnis beim Getränkekaufen in einem Nachtkiosk: Where are you from? Germany. Germania? Yes. Hitler! No. Germania – Hitler! But long time ago, no good times. Yes … und ein verlegenes Lächeln. Der Pfirsischsaft ist sehr lecker hier.
16.10. Anfängerfehler. Es ist Oktober, 25 Grad warm, gemalter blauer Himmel und man geht im T-Shirt auf die Akropolis. Da ist Sonnenbrand vorprogrammiert. Der mittzwanziger Haarrückgang tut da sein übriges. Doch da das gesamte Akropolis-Gelände so wirklich beeindruckend ist, wird man das erst später bemerken. Übrigens, waehrend unsereins 12 EURO zahlt dürfen fastnochstudenten wie Julia kostenlos rein. Aber wie gesagt, der Antike Teil ist sehr beeindruckend. Es steht hier eben nicht nur der Parthenon irgendwo in der Stadt, sondern eine ganze antike Anlage auf einem von Menschenhand geschaffenen Hochplateau und um diesen herum noch ein ganzer Hain von antiken Zeugnissen, Wald- und Parkanlagen nebst eines 120 meter langen mit Rockefellerunterstützung restaurierten griechischen Flanier- und Shopping “Mall” (Attalos-Stoa).
Das moderne Athen erobert einen allerdings nicht gleich auf den ersten Blick. Zu offensichtlich ist die Bevölkerung Athens in den letzten 170 Jahren um ein Tausendfaches gewachsen. Von ca. 4.000 um 1832 (damals wurde Athen Hauptstadt des unabhaengigen Griechenlands) auf ca. 4 Mio. im Grossraum heute. Ausserhalb der antiken Anlagen und eines kleinen Stadtkerns kann man kaum Stadtstrukturen oder Viertel erkennen. Überall scheinen die immergleichen Balkonwohnhäser wie Pilze aus dem Boden gewachsen zu sein. Von der Akropolis aus erblickt man in alle Richtungen eine schier endlose Hauserwüste.
Auch beim Essen gibt es keine Zufriedenheitsgarantie, zufälliges Probieren der allerorts angebotenen Snacks sorgt eher fuer Enttäuschung. Julia bekam gar trotz Nachfrage nicht-vegetarisches in die Hand gedrückt. Doch am Ende entschädigte der Abend im Plaka-Viertel (im 19. Jhd. noch Neu-Athen) wieder für alles, alt-städtisches mediterranes Flair, gutes Essen und Moonlight-Shopping irgendwo zwischen Touristen-Allerlei und Kunstliebhaberei.
21.10. Ein Tag Athen war genug. Am nächsten Tag sind wir mit einer “Flying Dolphin”, einem lauten und Freiblick-losen Schnellboot, zur Insel Hydra gefahren. Eine gute Entscheidung. Wie in einem natürlichen Amphitheater (stand in irgendeinem Flyer) passt sich der Hafenort Hydra in eine kleine Bucht und schmiegt sich dann alle drei umgebenden Hänge hinauf. Ein echter Bilderbuchanblick.
Unser Zimmer lag auch gleich fünf Meter in eine der Hafengässchen hinein, was sich als sehr praktisch heraustellte. Allerdings morgens auch als etwas laut – nicht wegen des Hafentreibens, nein der Glockenturm war nur 10 Meter entfernt. Und während er uns am Freitag noch recht sanft weckte, stimmte er von Samstag bis Montag jeden Morgen mehrfach einen waren Glockenterror an, da wurden erst die Stunden ausgezählt und dann in einem nicht enden wollenden Gebimmel für weitere 30 Sekunden auch der letzte an seine Kirchenpflicht erinnert. Das erste Terrorklingeln muss immer so gegen 7 Uhr früh gewesen sein. Urlaub.
Und was tut man auf so einer Insel? Gross war sie ja nicht, aber auch nicht so klein, dass wir sie wandernd abgelaufen wären – so in etwa die Fläche Kölns. Also waren wir wandern, baden, ein wenig flanieren, jeden Tag mit bestem Stadtblick Kaffeetrinken und angenehm essen. Doch während in Stadtnähe noch alles sehr touristisch, bis cosmopolit ausgelegt war – man muss bedenken, dass sich vor allem das wohlhabende Athener Publikum hierher begibt – wurden die Wanderwege mit zunehmender Entfernung auch abenteuerlicher. Auf unserer Wanderung zum Strand Molos war der Weg laut Wanderkarte irgendwann einfach nicht mehr in use. In der Realität war es ein steiler Geröllhang, den man hinunterstochern durfte.
Am Strand angekommen, bot sich uns entlang des größten Teils des Strandes eine weisse Wand. Dahinter verborg sich das Privatanwesen eines reichen Atheners. Das Meer war wie überall toll, der Strand wie überall mittelmäßiger Steinstrand mit angespültem Müll. Sandstrände waren eher die Seltenheit. Da wir uns den Rückweg über das Geröll ersparen wollten, entschieden wir uns für den well carved pathway serving the scattered farm-sheads in die andere Richtung. Der sollte irgendwann wieder auf besseren Wegen durch den Innenteil der Insel zurück führen. Wieder so ein Abenteuer. In ca. 130 Meter Höhe stiessen wir auf die Farmhütten und irrten nur noch umher. Irgendwie sah auf den verlassenen Terassenfeldern alles wie Weg aus und im anschliessenden Pinienwald liess sich auch nicht identifizieren, was als Pfad gedacht sein sollte. Um also nicht im Dunkeln irgendwo durch die Insel zu irren sind wir zurück zum Strand und haben uns vom mehr oder weniger freundlichen indischen Personal des Athener big boss ein Wassertaxi nach Hydra rufen lassen. 30 EURO. Das war okay.
Einen Tag weiter und wir wanderten wieder. Diesmal in die andere Richtung. Auch hier war der Strand nicht berauschend, aber – dass muss auch mal gesagt sein – das Baden war toll. Von dort ging es in die Berge, vorbei an drei der vielen Höhenklöstern der Insel und (!) vorbei an der Müllhalde der Insel. Wir hatten uns ja bewusst für die guten Wege entschieden und natürlich musste irgendwo an den “guten” Wegen auch der Zugang der Müllfahrzeuge zur Halde liegen. Denn, auf der ganzen Insel gibt es ca. 4 Lastwagen und eine handvoll Baumaschinen, ansonsten ist Verkehr strikt untersagt und beschränkt sich auf die Leistung einer Herde von Mulis. Entsprechend unwichtig sind ausgebaute Strassen. Die Müllhalde war natürlich nur eine Klippe, über die alles drüber gekippt wird. Zwar eine in die Insel hineinreichende Schlucht, aber bei unserer Abreise vom Meer aus trotzdem gut zu erkennen.
Hmmm. Das klingt jetzt aber nicht nach Negativbericht, oder? Es war wirklich toll! Das Wandern hat trotzdem Spass gemacht, war entspannend, man hatte permanent beeindruckende Blicke, das Essen war preiswert, gut und im Lokalgeheimtip “Veranda” hatte man auch noch einen tollen Abendblick auf den Hafen. Wir sind rundum entspannt nach Athen zurückgekehrt undsoweiterundsofort.
24.10. Kaum sind wir zurück in Deutschland bringt die ZEIT im Reiseteil einen Bericht über Hydra. Subjektive Wahrnehmung, oder?
Tags: Akropolis, Antike, Athen, Baden, Bergklöster, Bevoelkerung, Germania, Griechenland, Hydra, Insel, Plaka, Strand, Zeitzone





































November 4, 2008 um 12:01 pm |
Γεια μας ὦ τάν!